Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste!
Ich möchte Sie recht herzlich (hier im Europainstitut) begrüßen. Danke, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind.
In der Einladung ist es formuliert: Der demographische Wandel in unserer Gesellschaft wird das Miteinander in unserer Stadt verändern. Vor etwa einem Jahr hat der CDU-Stadtverband deshalb eine Dokumentation erarbeitet und veröffentlicht, die Ihnen mit der Einladung zu dieser Veranstaltung auch zugeschickt worden ist. Unser Demographiebericht trägt den Titel:
Chancen des demographischen Wandels. Wie werden wir 2020 in Bocholt leben?
Das gleichsam natürliche Bild einer Pyramide, deren breite Basis für eine vergleichsweise große Zahl junger Menschen und deren Spitze für eine vergleichsweise geringe Zahl sehr alter Menschen stand, taugt nicht mehr zur Veranschaulichung der Altersstruktur unserer Gesellschaft. So wurden beispielsweise in Nordrhein-Westfalen 1963 rund 300.000 Kinder geboren, 2008 waren es weniger als 150.000 Kinder. Heute spricht einiges dafür, dass in Zukunft wieder mehr Kinder geboren werden. Aber für die nächsten Jahrzehnte ist der demographische Wandel unumkehrbar. Schon für 2012 wird erwartet, dass die über 65-jährigen in unserer Stadt erstmals zahlreicher als die unter 20-jährigen sein werden.
Darüber hinaus entwickeln wir uns nicht nur hin zu einer zahlenmäßig kleineren und älteren, sondern auch hin zu einer kulturell vielfältigeren Gesellschaft. Bocholt wird bunter! Der Anteil der Menschen, die Wurzeln im Ausland haben, wird größer. Sie werden in Zukunft das Gesicht unserer Stadt noch deutlicher mitprägen als dies heute schon der Fall ist.
Der demographische Wandel erfordert von uns große Anstrengungen, die sehr positive Entwicklung von Bocholt weiterhin erfolgversprechend zu beeinflussen. Wir, die Bocholter CDU wollen den demographischen Wandel in unserer Stadt aktiv mitgestalten. Dafür ist es notwendig, nicht nur in engen Parteizirkeln zu debattieren, sondern stets offen zu sein für Ideen und Impulse aus allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens. Die demographische Entwicklung gestaltend zu begleiten, wird nicht allein Aufgabe der politischen Parteien sein.
Aus diesem Grund heraus, haben wir heute zum Demographieforum eingeladen. Wir möchten mit Ihnen und allen wichtigen Gruppen, Vereinen, Verbänden und Institutionen unserer Stadt diskutieren, wie wir die vor uns liegenden Herausforderungen in den nächsten Jahren bewältigen werden können. Ihre Meinung und ihr Fachwissen ist uns wichtig!
Jede echte Demokratie (und Mitgestaltung gesellschaftlicher Prozesse) beginnt in der Gemeinde. Ich bin der Auffassung, alles was hier entschieden werden kann, soll auch hier entschieden werden. Je näher politische Entscheidungen bei den Menschen sind, umso besser! Ich bin fest davon überzeugt: Die lebenswerteste Stadt ist diejenige, in der wir miteinander und nicht nebeneinander leben. Das ist auch eine der großen Stärken unserer Heimatstadt Bocholt!
Unsere Herangehensweise an das Thema Demographie war von einem optimistischen Grundtenor bestimmt: Wir sagen Ja zu einer sich verändernden Altersstruktur; das heißt, zum Älterwerden unserer Gesellschaft. Wir freuen uns darüber, dass die Menschen immer länger leben und im Alter (überwiegend) bei immer besserer Gesundheit sind. Wir wollten deshalb das Positive, das die demographische Entwicklung mit sich bringt, in den Vordergrund rücken. Wir streben ein lebenswertes Bocholt an, in dem sich alle Generationen zu Hause fühlen. Wir wollen die Herausforderungen des demographischen Wandels gemeinsam mit Jungen und Alten annehmen und gestalten – nicht gegeneinander.
Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, für die sehr alten Menschen in Bocholt ein funktionierendes Gemeinwesen zu erhalten. Dafür brauchen wir engagierte Menschen quer durch alle Generationen, die helfen, und zwar ganz praktisch bei der Bewältigung der täglich anstehenden Aufgaben (Einkaufen, Behördengänge, kleine Reparaturen etc.)! Ohne Bürgersinn und ehrenamtliches Engagement sind viele Herausforderungen des demographischen Wandels nicht zu schaffen. Hier besteht die große Chance, wieder mehr Solidarität und Zusammenhalt zu stiften!
Verantwortungsvolle Politik bedeutet Stadtpolitik konsequent und strategisch auf den demographischen Wandel auszurichten. Das beinhaltet aber gleichzeitig auch eine verstärkte regionale Kooperation mit dem Kreis Borken und anderen Kommunen! Dabei wird es darum gehen, dauerhaft inhaltliche und finanzielle Synergieffekte zu schaffen. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der schwierigen Haushaltslage vieler Städte und Kommunen – und davon ist Bocholt nicht ausgenommen, wird die interkommunale Zusammenarbeit verstärkt in den Focus der Aufmerksamkeit rücken. Angebote, Maßnahmen und Konzepte, die in der Vergangenheit „lokal“ funktioniert haben, müssen vor dem eben genannten Hintergrund gewissenhaft und umsichtig überprüft werden. Politik darf nicht dem Zufall überlassen werden. Wie ist die Infrastruktur in Bocholt so nachhaltig zu entwickeln und umzubauen, dass sie den sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedürfnissen jetziger und kommender Generationen entspricht und die Chancen des Wandels genutzt werden? Mit diesen Fragen haben wir uns intensiv im Arbeitskreis Demographie beschäftigt. Wir haben uns dabei am Leitbild der Nachhaltigkeit orientiert. Das bedeutet, dass nicht mehr durchweg Zuwachs und Ausbau die Aufgabe ist, sondern der Umbau - gleichgültig ob es sich um den Städtebau, Infrastrukturkonzepte oder die Versorgungswirtschaft handelt.
An (sachlich) dieser Stelle gehe ich aus aktuellem Anlass etwas ausführlicher auf das Thema Stadtplanung und Wohnortentwicklung ein. Ich möchte der Stadt Bocholt (stellvertretend hervorzuheben sind hier die Umweltreferentin Angela Theurich und der Stadtbaurat Ulrich Paßlick) - zum ersten Sieger des Wettbewerbs „Klimakommune der Zukunft“ - gratulieren. Sich gegen etwa 60 Mitbewerber durchzusetzen, bedeutet viel Arbeit, Kreativität und Ideen investiert zu haben.
Bestandteil des Wettbewerbs ist auch die Zukunft des Stadtteils Fildeken. In diesem Zusammenhang kann die Bocholter CDU ganz selbstbewusst dem Stadtverordneten Andreas Pferdekemper „Dank“ aussprechen. Intensiv Kommunalpolitik vor Ort zu machen zahlt sich (im wahrsten Sinne des Wortes) doch aus! Die Ideen zum „blühenden Fildeken“ wurden auf dem gemeinsamen Workshop entwickelt, der auf der Initiative des „Arbeitskreises Zukunft Fildeken“ (ins Leben gerufen von Andreas Pferdekemper) getagt hatte. Er basiert insbesondere auch auf Überlegungen des ihnen vorliegenden Demographieberichts - und ist somit also auch ein (kleiner) Erfolg all derjenigen, die sich im Arbeitskreis Demographie engagiert haben. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung (Herr Paßlick, Frau Döring, Frau Theurich) hat im Pfarrheim Ewaldi eine „Zukunftswerkstatt Fildeken“ getagt, bei welcher sehr viele Ideen für das „blühende Fildeken“ entwickelt wurden. Noch einmal, herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten und insbesondere der Stadtverwaltung Bocholt.
Politik orientiert am Leitbild der Nachhaltigkeit, bedeutet gerade im (hier exemplarisch dargestellten) Bereich der Stadtentwicklung, dass neben der Ausweisung von Bauland auch die Erhaltung und Verbesserung der Wohnqualität in den älteren Wohngebieten unbedingt zu den strukturellen Zielen der Stadtplanung gehört. Um zu vermeiden, dass bestimmte Stadtteile „veröden“ muss man ihre Entwicklung sehr genau im Auge behalten. So kann dann entschieden werden, in solchen Wohnbezirken gezielte Investitionen zu einer bedarfsgerechten Umstrukturierung, Aufwertung und Ergänzung des Wohnungsbestandes vorzunehmen. Dies wird zukünftig viel entscheidender sein als heute, um die richtigen kommunalpolitischen Weichenstellungen treffen zu können.
Die Bandbreite der Aufgaben hinsichtlich der demographischen Entwicklung in unserer Heimatstadt Bocholt, kommt auch darin zum Ausdruck, dass wir heute vier Arbeitsforen durchführen:
1. Kinder/Jugend/Familie (Reinhold Ihorst)
2. Bildung (Gerd Wiesmann)
3. Senioren (Doris Gausling)
4. Wirtschaftsförderung (Matthias Löhr)
Wir betrachten das Thema Demographie als eine dauerhafte Zukunftsaufgabe. Die vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen aus den vier Arbeitsforen werden aufgenommen und kontinuierlich weiterentwickelt.
Jetzt übergebe ich das Wort an Adolf Lang. Er wird ihnen in einer übersichtlichen Zusammenfassung den Demographiebericht der Bocholter CDU kompetent und sachkundig vorstellen!